Jedoch steht das Pathos der Schlachtfelder in keiner Relation zu ihrer sichtbaren Erscheinung. Wäre das Löwenberg-Denkmal nicht in Waterloo errichtet worden, so würden sich die Äcker, Wiesen und Felder des ehemaligen Schlachtfeldes in keiner Weise von denen der benachbarten Ortschaften unterscheiden. So wie heute die Insel Salamis bei Athen einen heruntergekommenen industriellen Stadtteil beherbergt, so wenig ist der Gegend südlich von Cambrais anzusehen, dass die Schlacht an der Somme dort mehr als 100 000 Menschenleben forderte; - die Bedeutungen all dieser Schlachten liegen nicht in einer womöglich-sichtbaren und ebenso landschaftlichen-dramatischen Physis, sondern in unserem geschichtlichen und damit auch kulturellen Verständnis; nicht zuletzt von dort entnehmen wir die Rechtfertigung dieser Ereignisse. „Der Krieg ist der Vater der Kultur“ tituliert Will Durant in seinem Vorwort zu „The Story of Civilization“ (Simon & Schuster, New York, 1930) und stellt dar, dass die Besitztümer und Errungenschaften einer Kultur sich nur in einer formativen Wehrhaftigkeit nach außen behaupten konnten.
Der Idee, Schlachtfelder zu umwandern und sie in ihrer Gänze zu fotografieren, liegt eben dieser Gedanke zugrunde: die Bedeutung der stattgefundenen Ereignisse in ihrem ureigensten Kontrast zu einer unspektakulären, ja mitunter auch langweiligen Umgebung zu zeigen; - eben diese Schlachten in ihrer „tieferen“ Wahrheit zu zeigen und nicht in einer (wie früher oft üblichen) kulturverordneten Dramaturgie des Pathos. – Ein Pathos, das auch in heutigen Berichterstattungen nicht ausbleibt, es kennt wohl jeder die wie Science-Fiction anmutenden Bilder aus den Afghanistan – und Irak-Einsätzen, die sowohl in einer modernen Bild-Weise verherrlichen als auch ebenso menschliches Leid verheimlichen.