„Cages“ (complexe 5)

  • ausgestellt in der Galerie Walter Storms, München, 2008 

Übersicht der Bilder (Auswahl)


Die Interpretation „Cages“ basiert auf der Trilogie „Die Orestie“ des Aischylos (Uraufführung 458 v. Chr.).
„Cages“ stellt den Versuch dar, mit rein bildlichen Mitteln die antike Tragödie nachzuvollziehen und neu zu interpretieren:
Wie auch in „Agamemnon“, dem ersten Teil der Orestie, beginnt die Inszenierung mit dem Prolog der Palastwächter und dem Einzug der heimkehrenden Soldaten, die ihren Platz in den Käfigen des Bühnenhintergrundes einnehmen und somit den Chor des Stückes bilden.
Im weiteren Verlauf positioniert sich der Dialog zwischen Agamemnon und Klytaimestra unter dem Einfluß Apolls. Der Mord an Agamemnon und Kassandra im Innern des Palastes, der im Originalstück nicht sichtbar ist, findet in „Cages“ hingegen in einer nahezu totalen Dunkelheit statt, ebenso betreten beide Ermordete im Anschluß wiederum die Bühne. Ihre Verewigung in durchsichtigen (Grabstein-)Stelen liefert im Anschluß das Bühnenbild zu „Die Totenspende“, dem zweiten Teil der Orestie.
Apoll, auch im Orignalstück der „Drahtzieher“ der Handlung, fungiert hier als moderner Schreibtischtäter, der Orest zum Mord an seiner Mutter Klytaimestra überredet. In diesem Sinne versteht sich Orest nicht mehr als der Held des Stückes, sondern als ein willfähriges Opfer fremder & interessengesteuerter Willen. Von daher fällt der anschließende Mord auch nicht als die selbstbewußte Tat eines Heroen aus, sondern vielmehr als Verzweiflungstat unter dem Druck (im physischen Sinne zwischen den heranrückenden Stelen eingeengt) einer unerbittlich-utilitaristisch agierenden Gesellschaft.


Die so wachgerufenen Erynnien verfolgen Orest als „schlechtes Gewissen“, wandeln sich im weiteren Verlauf zu schwarz-weiß-roten Farbflächen auf den Käfigfronten, die schließlich über Orest siegen und ihn erwartungsgemäß psychisch zerstören.Die Athener Gerichtsverhandlung des letzten Teiles „Die Eumeniden“ stellt sich in „Cages“ als Krankenhaus-Szenerie dar; der Richtspruch Athenes über Leben und Tod des Orest avanciert hier zu der –Diagnose- über Leben und Tod. Der Freispruch Athenes bedeutet die Reanimation Orest´s, der Defilbrator ist mit einem Hirschgeweih verkabelt, dem Symbol der Göttin Artemis. Das Ende von „Cages“ verweist somit auf den Anfang der Atridensage zurück, der Opferung der Iphigenie bei Aulis durch Agamemnon zur Besänftigung der Göttin.
Die Grundästhetik des Stückes liegt in der Gegenüberstellung vieler Personen (der „Chor“ in den hinteren Käfigen) zu den einzelnen Protagonisten im Vordergrund der Bühne.  Dargestellt wird damit die Frage nach der Verantwortung des persönlichen Tuns (bis hin zu Gattenmord, Muttermord ...) gegenüber der Gesellschaft.