Zu den fotografischen Projekten von Stephan Kaluza

Zu den fotografischen Projekten von Stephan Kaluza

Die Projekte des Künstlers Stephan Kaluza basieren auf dem Gedanken, komplexe physische und „geistige“ Objekte fotografisch horizontal zu komprimieren und damit visuell erfahrbar zu machen. Unter komplexen Objekten werden hier Phänomene eines räumlichen/kulturell verdichteten Ausmaßes verstanden, die mit einem (-menschlichen-) Blick in dieser Form so nicht sichtbar wären; dieses umfasst einerseits landschaftliche Phänomene sowie Handlungsabläufe.

Die physischen Objekte:

Die horizontale Komprimierung bezieht sich hierbei auf die Anwendung von mehreren tausend Fotografien pro Objekt, die anschließend in einem lückenlosen einzigen Foto aneinandergereiht werden. - Z.B. wurde der Rhein und die Themse vom Künstler abgegangen und im Minutentakt fotografiert. Im Anschluß entstand derart ein Bild, das den jeweils gesamten Fluß von der Quelle bis zur Mündung zeigt. In ähnlicher Weise wurde die nicht mehr vorhandene Berliner Mauer fotografiert.
Bisherige Projekte: „Das Rheinprojekt (complexe 1)“, verlegt im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln / DuMont Verlag, Köln,  „The Thames-project (complexe 2)“,  Thames & Hudson Ltd, London, „Ko Phi Phi Don - project (complexe 8)“, „Tunnel (complexe 9)“, „Das Mauer-Projekt (complexe 16)“, verlegt im DuMont Verlag, Köln.

(english version)


Die „Bildstücke“:

Stephan Kaluza setzt sich in seinen „Bildstücken“ mit narrativen Bildfolgen auseinander. Pro Bildstück entstehen mehrere tausend Fotografien eines Bühnengeschehens, die im Anschluß zu einem nahtlosen Bildstreifen aneinandergesetzt werden.
Am Anfang eines jeden Bildstückes steht das textalische und bildnerische Konzept. Gleich einem Theaterstück werden die Dialoge der Protagonisten vom Künstler verfasst, ebenso wird die Szenerie und der Bühnenraum realisiert. Während der darauf folgenden real aufgeführten Inszenierung wird die Darstellung von einer zentral positionierten Kamera im Sekundentakt fotografiert.
Die Arbeitsweise zur Erstellung dieser Bilder mag filmisch anmuten, das finale Ergebnis ist jedoch ein völlig anderes. – Es besteht aus einem einzigen Bildraum, in dem die einzelnen Szenen der Handlung ineinandergreifen. – Indem den einzelnen Fotos ihre horizontalen Ränder genommen werden, hört ebenfalls die zeitliche Begrenzung der jeweils singulären Fotos auf zu sein, - zugunsten der Einheit von Zeit & Raum des Gesamtbildes. Die Fotos werden zwar zu unterschiedlichen Zeiten aufgenommen, ebenso dokumentieren sie die Chronologie der Handlung, dennoch aber kann das statische Gesamtbild in einer Ausstellung „auf einen Blick“ wahrgenommen werden. In diesem Sinne avancieren die auf den Fotos sichtbaren Handlungen zu einer –Form- im Kontext des Bildstückes. - Z.B. die Aneinanderreihung der handelnden Protagonisten erweckt zum Teil den Eindruck des Rhythmischen, ebenso wie die stetige horizontale Wiederholung der Bühnenästhetik für den Eindruck einer übergroßen (Meta-)Bühne sorgt.
Das filmische Prinzip besteht darin, enorm viele Bilder in hoher Geschwindigkeit hintereinander zu koppeln; die Wahrnehmung der „Bildstücke“ kann hingegen simultan erfolgen. Der Ansatz dieser Arbeiten besteht dementsprechend nicht darin, das gesprochene Wort durch Bilder zu ersetzen, es geht eher darum, eine konzeptionelle Gesamtkomposition des sichtbar-Narrativen herzustellen.